HOSPITALITY STORIES

FORMVOLLENDET

Hotel Almhof und die Allmeinde: moderne Interpretation von handwerklich gefertigten alpinen Materialien und einer klaren Formsprache.

Er steht da, auch nach 20 Jahren wieder mal mitten im Umbau. Gerold Schneider, Architekt, Hotelier, Freigeist, Kulturinitiator, zusammen mit Frau Katia Polletin, welche sich von ihrer Heidi-Rolle im gleichnamigen Film längst verabschiedet hat. Beide haben sie ihre Ideen aus Studientagen, konstruktiv über den eigenen Kulturraum nachzudenken, neben einem voll ausgelastetem Hoteliersalltag in das Projekt Allmeinde hineingetragen.

familieschneider
Famile Schneider, Hotel Almhof

 

Gerold: „Meine Familie ist seit dem 15. Jahrhundert hier ansässig. Nach dem plötzlichen Tod meines Vaters und der Krankheit meines Bruders wurde ich 1997 aus dem urbanen Raum von Wien und Salzburg ins Lecher Hoteliersleben reinkatapultiert.“ Dem Hotel kam’s zugute! Trotz anfänglicher Widerstände wurde, mit Unterstützung von Freund und Architekt Anthony Collett aus London, der Almhof in einem 20 Jahre dauernden Prozess umgebaut. Kein Stein blieb auf dem andern. Keine Orientierung an Vorarlberger Holzschule, keine Altholzorgien, sondern klare und gerade Linien. Eher Orientierung an alten Walserhäusern. Rohe Fichte, unbehandelt. Erfolg und Preise heimste auch die eigenwillige Gestaltung der Schneggarei ein. Eine moderne Interpretation von handwerklich gefertigten alpinen Materialien, wieder mit einer klaren Formensprache.
Erst da setzte eine gewisse lokale Akzeptanz ein. Noch radikaler dann der Ansatz bei der Allmeinde. Die Einholung der Bewilligungen dauerte – lange. Danach hagelte es Berichte in internationalen Fach-Magazinen. Unter dem Dachstock des ehemaligen Stadels entblättert sich ein Raum von seltener Klarheit, nur durchzogen von einer Schrankwand, welche zugleich als Möbel, Raumteiler und Projektionsfläche für Kunst dient. Darin sich versteckend, gleichsam Kostbarkeiten verhüllend, ein Bad, die Küche, Technik, Schränke. Der Reiz des Verborgenen offenbart sich selten so schön.

Bekannte Künstler, Schriftsteller waren Allmeinde-Gäste. Es geht um mehr als Kunst. Aktuell präsentiert Walter Niedermayr seine Ausstellung „Raumaneignungen“. Es geht darum, wie Bevölkerung und Gäste den Wirtschafts- und Kulturraum Lech heute und morgen gestalten wollen. Allmeinde stellt (s. die genossenschaftlich verwaltete Alm) das Gemeinwohl ins Zentrum und zur Debatte. „Wir müssen schauen, dass nicht nur touristikaffine Menschen hier leben wollen, sondern es braucht ein neues (altes) zivilbürgerliches Engagement für das Gemeinwohl, welches den Ort für junge fähige Menschen auch ausserhalb des Tourismus attraktiv macht. Die Vermeidung einer überbordenden touristischen Entwicklung hat Lech eine komfortable Wettbewerbssituation beschert. Aber nun ist es Zeit, die Wege für die nächsten Generationen neu zu gestalten.“

Katja und Gerold Schneider, ein eigenständiges und hoffnungsvolles Symbol für den alpinen Raum von morgen.

Das Hotel: www.almhof.at  und die Alleinde: www.allmeinde.org

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